Reiseberichte

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Weit weg oder doch ganz nah?

 

Nach drei grandiosen Monaten am anderen Ende der Welt, war ich froh wieder zuhause anzukommen. Ich genoss wieder alle Annehmlichkeiten, welchen ich auf meiner Reise hatte entsagen müssen.
Doch diese Vorzüge konnten mich auf Dauer nicht glücklich machen. Nicht zuletzt, da ich noch ganze zwei Monate übrighatte, bevor ich dann etwas Altes nachholen musste.

Es füllte mich nicht aus still zu stehen. Ich sehnte mich danach wieder ein Abenteuer zu bestreiten.
Als ich diesem tiefen Wunsch in mir Worte verlieh, ergaben sich mir zwei Möglichkeiten:

Entweder ich würde Europa mit dem Zug kennenlernen oder meine Heimat Österreich mit dem Auto erkunden.

Würde ich mir Europa ansehen, so wäre geplant ein Interrailticket zu kaufen. Ich wäre dann einen Monat unterwegs. Zuerst würde ich mit dem Zug nach Prag fahren. Drei Tage später ging es dann auf nach Berlin und wenig später in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Gleich wie auf der Fahrt in den Norden, hätte ich auch auf dem Weg nach Amsterdam die Städte auf meiner Route erkundet. Vorbei an Luxemburg und Brüssel wäre ein Abstecher nach London fast schon Pflicht gewesen. Durch den Eurotunnel und zurück am Kontinent würden Paris, Madrid und Lissabon meinen Horizont erweitern. Zwischenstopps in Gibraltar, Andorra und Monaco auf dem Weg in die Schweiz. Tja und nach genau einem Monat, weit weg, wäre ich dann wieder zuhause.

Oder aber: Ich nehme den sportlichen Mazda 323 P meiner Mutter und erkunde meine Heimat.
Über anspruchsvolle Passstraßen und vorbei an lieblichen Städten: Auf der zwölftägigen „Austria Classic Tour“ quer durch Österreich, wäre ich meinem Mutterland ganz nah.

Die Frage die sich mir nun stellte war: „Weit weg oder doch ganz nah?“

Eigentlich könnte man doch meinen mir die Antwort augenblicklich von meinen Lippen ablesen zu können: „Ein junger, agiler Mann, der liebend gerne achtzehntausend Kilometer von zu Hause entfernt verbracht hat, der will doch sicher noch mehr von dieser Welt erkunden.“
Normalerweise würde ich solch einer Antwort bereitwillig zu stimmen. Meine Weltkarte ist schließlich noch immer voller roter „Da-will-ich-noch-hin“-Punkten. Normalerweise, wäre da nicht diese eine Tatsache:

Von dem Land, in dem ich geboren wurde kenne ich nur kleine Bruchstücke.

Weit weg, aber das Nahe nicht kennen? Nein, das wollte ich so nicht.
Was lag also näher, als die Bruchstücke zu einem vollständigen Ganzen zusammen zusetzten: „Nichts“.
Und genau das war auch meine Antwort auf die Frage was mich davon abhalten würde meine Heimat zu erkunden.

Tja, und damit stand fest: Nach dem ganz weit weg, würde ich jetzt ganz nah sein.

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