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Kulturwissenschaften - Historie der Wissenschaft

 

Dieser Teil von „Einblicke in die Kulturwissenschaften“ widmet sich den Wurzeln der Kulturwissenschaften und der Wende des Kulturbegriffes im Zuge der Cultural Turns.

Die Kulturwissenschaften als Studium gibt es seit den 1990er-Jahren. Kulturwissenschaft wird als grundsätzlich interdisziplinär (mehrere Fachbereiche umfassend) und transdisziplinär (mehrere Fachbereiche betreffend) verstanden.

Die Wurzeln des Faches ragen zurück in die Völkerpsychologie. Am Anfang des 19. Jahrhunderts ging der preußische Gelehrte Wilhelm von Humboldt davon aus, dass das Denken auf Sprache beruhe und daher bei jedem Volk eine andere „Weltansicht“ zu finden sei. Für Vordenker, wie Johann Gottfried Herder (1744-1803) waren Kulturen oder Nationen, als abgeschottete und voneinander getrennte Einheiten zu verstehen, die sich anhand von eindeutigen Merkmalen, wie der Sprache, unterscheiden ließen. „Jede Nation hat ihren Mittelpunkt der Glückseligkeit, wie jede Kugel ihren Schwerpunkt“, so Herder.

Das erste Mal von „Cultur-Wissenschaft“ sprach 1815 der deutsche Kulturhistoriker Gustav Klemm. Klemm versuchte die Menschheit von der Natur abzugrenzen und formulierte drei Aufgaben, welche die Kulturwissenschaften erfüllen sollten. Zum einen sollte sie das vom Mensch hervorgebrachte darstellen und die Ursachen für das Geschehen in Mensch und Natur ergründen. Zum anderen, sollte sie Modelle entwickeln, die eine Erklärung für die Wechselwirkung von Mensch und Natur liefern könnten. Schon für den französischen Philosophen und Schriftsteller François-Marie Arouet (Voltaire) bildete im 18. Jahrhundert Kultur den Rahmen für eine Gesamtdarstellung und war somit seiner Meinung nach nicht reine Geschichtsschreibung der Herrschenden, sondern sollte den Alltag der lebenden Menschen aufzeigen.

Was den Verlauf der Geschichte bestimmt, erklärte Jacob Burckhardt im 19. Jahrhundert. Der Schweizer Kulturhistoriker machte die folgenden drei Potenzen tonangebend: 1) Religion 2) Staat und Kultur 3) Religion und Staat. Burckhardt sah Religion und Staat als Stabilitätspole, welche ihrerseits auf den Status Q abzielten. Kultur wiederum verhalf seiner Ansicht nach zur Erkenntnis und Veränderung. In der Religion selbst sah er die Angst verortet. Religion verstand er als Erklärungsgeber für das Unbegreifliche und Unfassbare, mit welchem selbiges ein wenig greifbarer gemacht werden sollte.

Kulturelle Wende („Cultural Turn“) und ihre Auswirkungen

Die beginnende Globalisierung veränderte am Beginn des 20. Jahrhunderts die Gesellschaftsformen und führte zur Suche nach neuen Ansätzen und Erklärungen für ein nicht mehr zeitgemäßes Kulturverständnis. Es schlug die Stunde der Kulturphilosophie, wodurch die Frage nach den Entstehungsbedingungen von Kultur und der kulturellen Entfaltungen in den Vordergrund rückte.

Für Georg Simmel, den deutschen Philosophen und Soziologen, schien klar zu sein: Die persönlichen „Keimkräfte“ müssten eine Hervorbringung von „Kulturwerten“ ermöglichen, die jedoch zu „Sachwerten“ umgewandelt würden, was die Lebendigkeit von Kultur durchkreuzen müsste. Oswald Spengler ging einen Schritt weiter und bezeichnete den Umschlag von Kultur zu Zivilisation als deren unabwendbaren Untergang.

„Ich denke, also bin ich“, meinte einst René Descartes. Das der Mensch ist, weil er denkt, stellte der italienische Rechtsphilosoph Giambattista Vico in Abrede. Für Vico war der Mensch nur am Leben, weil er ein Zeichen setzendes Wesen ist. Der Ahnherr der Kulturwissenschaft Vico war der Auffassung das der Mensch die Welt durch Sprache erschaffen hatte, und somit ein zoon symbolicon, also ein Zeichen setzendes Wesen sein müsste. In den 1920er Jahren dachte Ernst Cassirer Vicos Gedanken weiter und schlussfolgerte, das die Kultur als soziales, materiales und mentales Zeichensystem verstanden werden könne.

„Kultur“, das ist ein Begriff der eine Vielzahl an Bedeutungen innehat. Nach Slavoj Žižek ist der Begriff Kultur zu allem geworden, was die Menschheit macht, ohne daran zu glauben. „Der Begriff der Gesellschaft ging uns verloren, oder besser, er löste sich in einem anderen Begriff auf: In dem der Kultur. Wo Gesellschaft war, ist Kultur geworden“, so Boris Buden.

Im Laufe der Geschichte gab es eine Vielzahl an „Cultural Turns“, also an Veränderung und Wenden in der Auffassung von Kultur. Vom „Interpretive Turn“, den „Postcolonial Turn“ oder den „Iconic Turn“, um nur drei zu nennen. Der Prozess im Verständnis von Kultur ist nicht abgeschlossen und wird auch in Zukunft noch zu einer Vielzahl an Veränderungen führen.

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