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Kulturwissenschaften - Was ist Kultur?

 

Dieser Teil von „Einblicke in die Kulturwissenschaften“ beschäftigt sich mit der Frage nach dem: „Was ist Kultur?“ - „Kultur“, das ist ein Begriff mit Unschärfe.

Laut einer Studie der Europäischen Union aus dem Jahr 2007 assoziieren 39% der Befragten den Begriff der Kultur mit bildender und darstellender Kunst und für 24% ist der Begriff gleichzusetzen mit Tradition und Sprache. In Österreich sind sich knapp die Hälfte aller Befragten einig: Kultur hat etwas mit Tradition, Bildung und Familie zu tun.

Im Lexikon kommt Kultur vom Lateinischen „cultura“: Landbau, Pflege (des Körpers und des Geistes), abgeleitet von „colere“ (bebauen, bestellen, pflegen) und meint:

  1. Die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft, eines Volkes
  2. Feine Lebensart, Erziehung, Bildung
  3. Des Weiteren: Zucht von Bakterien und ähnlichem auf Nährböden, Landwirtschaft, jungen Baumbestand.

Für den deutschen Kulturhistoriker Michael Maurer ist Kultur engverbunden mit der Entwicklung des Menschen, denn durch sie lernt der Mensch das „Unsagbare zu begreifen“. Also für unbekannte Dinge oder Sachverhalte einer Erklärung zu finden. Wichtig war dies nicht nur um die Gefahren der Natur besiegen zu können, sondern auch um die eigenen oder gesellschaftlichen Erfahrungen an die Nachkommen weitergeben zu können. Maurer konkretisiert den Begriff in Form (Kunst, Architektur und so weiter- aber auch Lebensformen und Gesellschaftsformen) und Inhalt (Wertekanon, Weltbilder).

Georg Simmel war ein deutscher Philosoph und Soziologe, der im 19. Jahrhundert die vier Grundbedeutungen von Kultur formierte, als:

  • Kultur, die man betreibt. Dies umfasst die Pflege und Veredelung (Kultivierung) individueller Naturanlagen. Also zum Beispiel die Fähigkeiten des Lesens, Schreibens oder kritischen Denkens.
  • Kultur, die man erworben hat. Dies wird als der gepflegte und veredelte Zustand (die Kultiviertheit) von Fähigkeiten und Fertigkeiten beschrieben. Also zum Beispiel: Der „kultivierte“ Geschmack, die „kultivierte“ Sprache oder „kultivierte“ Urteilsfähigkeit.
  • Kultur, in der man lebt. Das ist jener Zusammenhang von Institutionen, Lebens- und Geistesformen, durch welche sich die Völker und Epochen voneinander unterscheiden.
  • Kultur, die man schaffen, fördern und als (nationalen) Besitz verehren kann. Wie Werke der Kunst, Literatur, Wissenschaft und Philosophie.

Der in Mettingen (Deutschland) geborene Ansgar F. Nünning, deutscher Anglist und Literaturwissenschaftler, legte seinen Blickpunkt auf den Menschen und fragte sich im Zusammenhang mit der Kultur: was wurde zu Stande gebracht? (Material), in welchen sozialen Gefügen lebt der Mensch? (Sozial) und wie würde sich der Mensch auf Grund der Kultur fühlen? (Mental).

Ein anderer Ansatz versuchte die Kultur in ihren Entwicklungsstadien (Kulturniveau) zu beschreiben. So definierte der französische Soziologe Jean Baudrillard die vier Stadien der Kultur:

  • Stade naturel: Das natürliche Stadium, in welchem die Menschen noch Tauschhandel betrieben.
  • Stade marchand: Im Stadium der Kommerzialisierung und Urbanisierung diente das Geld als essentielles Leitmedium (des Handels und Lebens).
  • Stade structural: Machtstrukturen entstanden und die Gesellschaft musste äußere Normen verinnerlichen.
  • Stade fractal: Der Mensch wird zu einer Einheit, welcher eine spezielle Funktion zu erfüllen hat. Sachverhalte werden rein Funktional betrachtet.

Baudrillard wuchs in der Zwischenkriegszeit auf, daher orientiert er sich in seiner Definition an einer kapitalistischen Gesellschaft. Grundlegend für Baudrillard ist auch „das Bild“, welches er dem Menschen über sich selbst und der Welt nachsagte. Für Baudrillard durchläuft dieses Bild im Verlauf der Kultur- und Gesellschaftsentwicklung vier Phasen:

  • es ist Reflex einer tieferliegenden Realität;
    Nehmen wir die Metapher einer Wachskerze, so wäre diese Phase: „Der Mensch sieht die Kerze direkt vor sich stehen“
    ● es maskiert und denaturiert eine tieferliegende Realität;
    Mit der Metapher einer Wachskerze, wäre diese Phase: „das Bild einer Kerze“
    ● es maskiert eine Abwesenheit einer tieferliegenden Realität;
    Um in der Metapher zu bleiben, diese Phase wäre: „die Bildübertragung einer Kerze in einen anderen Raum“
    ● es verweist auf keine Realität: es ist sein eigenes Simulkarum (Nachbildung)
    Und diese Phase wäre: „das künstlich erstellte Abbild einer Kerze“

 

Was ist nun Kultur?

Es gibt keine einheitliche Definition, sondern sehr viele unterschiedliche Auffassungen und Ansichten, was den Begriff ausmacht und wie er zu beschreiben sei.

 

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